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Hinweise für Betroffene und Angehörige

Chronische Harnwegsinfekte sind keine lebensbedrohliche Krankheit. Trotzdem sind sie schmerzhaft, lästig – und sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen oft über viele Jahre ganz massiv. Umso wichtiger ist es, zu wissen, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine sind, wie Sie sich Ihren Alltag erleichtern können und wo Sie zuverlässige Hilfe bekommen.

 

Berufsleben und Alltag

StimmungsbildOffener Umgang mit einer Krankheit ist immer Vertrauenssache – sei es gegenüber dem Partner, der Familie, Freunden, Verwandten, Vorgesetzten oder Arbeitskollegen. Wenn Sie stark unter Ihren Harnwegsbeschwerden leiden, wird das auch Ihrem Umfeld auf die Dauer nicht verborgen bleiben. Trotzdem sollten Sie sich gut überlegen, wem gegenüber Sie sich öffnen und wie vertraulich Ihr Gegenüber mit der Information über Ihre Erkrankung umgeht. Das betrifft insbesondere Ihr berufliches Umfeld, in dem Fehlzeiten oder verminderte Leistungsfähigkeit auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben können. Fühlen Sie sich in der Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit stark beeinträchtigt, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Erklären Sie ihm Ihre Erkrankung und signalisieren Sie vor allem, dass Sie selbst aktiv sind, um eine Besserung Ihrer Beschwerden zu erreichen.
Auch in der Familie, unter Freunden oder in der Freizeit könnte Ihr Verhalten oder der Eindruck, dass Sie etwas belastet, Gegenstand von Vermutungen oder Gerüchten werden. Treten Sie dem offensiv entgegen. Werben Sie um Verständnis, machen Sie aber auch deutlich, dass Sie dieses Problem mit vielen anderen teilen und nicht alleine sind.

 

Ernährung

Wie bei allen Harnwegserkrankungen lautet die wichtigste Devise: Viel trinken! Sie sollten rund 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen, um die Harnwege gut zu spülen und Keime auszuscheiden, bevor sie Probleme bereiten. Verschieben Sie den Gang auf die Toilette nicht, sondern entleeren Sie die Blase regelmäßig. Häufiges Wasserlassen befördert Krankheitserreger schneller aus dem Körper und verhindert, dass sie sich in den Harnwegen festsetzen.

Grundsätzlich können Sie als Patient mit einer chronischen Harnwegsinfektion beziehungsweise Interstitiellen Cystitis (IC) alles essen und trinken. Die Erfahrung zeigt aber, dass es Nahrungsmittel und Getränke gibt, die das Leben mit der Krankheit leichter machen. Viele Patienten berichten, dass etwa sehr scharfe oder säurebildende Lebensmittel ihre Blasenschmerzen oder den Harndrang stark beeinflussen. Als IC-Patient sollten Sie daher darauf achten, ob sich Ihre Beschwerden bessern, wenn Sie sich basisch ernähren. Empfehlenswert sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Milchprodukte, Reis, Kartoffeln und Geflügel sowie ausgewählte Fischarten. Säurebildend und daher für die Ernährung von IC-Patienten weniger geeignet sind unter anderem Zucker, Tee, Limonaden, Alkohol und Weißmehlprodukte. Viele Betroffene, die von Kaffee auf Kakao umgestiegen sind, berichten von einer deutlichen Verbesserung ihres Zustandes. Auch Kombucha und Kefir können die körpereigenen Abwehrkräfte stärken.

Weitere Hinweise zu Ernährungstipps finden Sie auf der Website des Fördervereins Interstitielle Cystitis ICA e. V. .

 

Freizeit

StimmungsbildAuch Sport, regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen kurbeln die Abwehrkraft an. Genau so wichtig sind aber auch Ruhe und Ausgeglichenheit. Stress schwächt den körpereigenen Schutz und lässt Keime wachsen.

 

 

Körperhygiene

Betreiben Sie im Intimbereich keine übertriebene Körperhygiene, insbesondere nicht mit Seife und Desinfektionsmitteln. Auch Intimsprays sollten Sie meiden, denn sie schädigen den Säureschutzmantel Ihrer Haut.

Häufiger auftretende vaginale Infekte (Ausfluss) können ein Risikofaktor für Blasenentzündungen sein. Beraten Sie sich deswegen am besten mit Ihrem Frauenarzt.

Wechseln Sie täglich die Unterwäsche und benutzen Sie möglichst frische, weite Baumwollunterwäsche, keine Kunstfasern oder Kunststoffe.

Nach dem Stuhlgang immer von vorn nach hinten wischen, damit keine Bakterien aus dem Darm in die Genitalzone gelangen.

Männer sollten täglich die Vorhaut reinigen. Auch hier ist übertriebene Hygiene zu meiden. Eine Reinigung vor dem Geschlechtsverkehr ist selbstverständlich. Partner von Patientinnen mit häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten oder Scheideninfekten sollten sich gegebenenfalls beim Urologen untersuchen lassen.

 

Warm halten

Unterkühlung schwächt die Abwehrkräfte. Keime können dann leichter eindringen und Infektionen verursachen. Deswegen sollten vor allem Unterleib und Füße immer warm gehalten werden. Nasse Badekleidung nach dem Schwimmen sofort ausziehen. Hüfthosen und bauchfreie Tops sind nichts für Patientinnen mit chronischen Harnwegsinfekten.

 

Partnerschaft

Frauen sollten nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen und Wasser lassen. So können Sie verhindern, dass Bakterien in die Harnwege gelangen. Verhütungsmittel wie Diaphragmen oder Spermizide sollten Sie meiden. Sie können das natürliche Gleichgewicht in der Scheide massiv stören und Wachstum und Ausbreitung von Bakterien begünstigen.

Das Wichtigste aber: Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner über Ihre Beschwerden und Ängste – vor allem aber auch darüber, wie er Sie beim Umgang mit der Erkrankung unterstützen kann. Suchen Sie Hilfe bei Gynäkologen und Urologen und lassen Sie sich beraten, wie Sie trotz chronischer Beschwerden eine erfüllte Partnerschaft leben können.

 

Hilfe für Betroffene

Niemand ist gefeit vor einer chronischen Erkrankung. Egal, welches Geschlecht, Alter oder Lebensweise. Über die Zahl der Betroffenen gibt es keine zuverlässigen Angaben. Experten gehen jedoch davon aus, dass allein in Deutschland mehrere zehntausend Menschen an einer Interstitiellen Cystitis leiden. Mindestens ebenso viele leben ohne „offizielle“ Diagnose mit Schmerzen, Einschränkungen und zum Teil stark verminderter Lebensqualität.

Machen Sie sich bewusst: Sie sind mit Ihrem Problem nicht allein. Tausende andere sind betroffen – auch in Ihrer Stadt. Suchen Sie Adressen von Gleichgesinnten, tauschen Sie sich aus und profitieren Sie von deren Erfahrungen – insbesondere, wenn es um Erfahrungen mit den verschiedenen Behandlungsmethoden bei Interstitieller Cystitis geht. Einen Überblick finden Sie hier:

Weitere Informationen und Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe erhalten Sie unter anderem bei ICA e.V., der gemeinnützigen Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis, oder unter www.selbsthilfe-online.de.
Das größte deutsche Forum für IC und Harnwegsinfekte finden Sie unter www.ic-netforum.de.
Eine Liste der Kontinenzzentren und Beratungsstellen bei Kontinenzproblemen finden Sie hier: